TEXTLICHE DOKUMENTATION VON PERFORMANCES
Daniela Wageneder-Stelzhammer erstellt seit 2010 Dokumentation in Form von Text über Performances, die beim Performancelaboratorium und anderen Performanceveranstaltungen und -festivals gezeigt werden

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PERFORMANCELABORATORIUM 08
Freitag, 14. Februar 2014

Beatrice Didier
St. Valentin Cliche

Beatrice Didier sitzt in einem mit roten Herzluftballons gefüllten Fenster. Sie trägt ein weißes Kleid und bläst weitere Ballons auf. Das Fenster nebenan ist mit weißen Herzballons gefüllt. Die Performancekünstlerin steht auf und lehnt sich gegen die Wand. Ihr Blick ist ins Publikum gerichtet. Sie hält eine Mundharmonika zwischen ihren Lippen und spricht immer wieder kaum verständlich 'I Love You' hinein. Dabei nimmt sie Ballon für Ballon und drückt diese so fest gegen ihre linke Brust, dass sie platzen. Die einzelnen Ballons sind mit schwarzen Federn oder Blut gefüllt. Nachdem Zerplatzen aller Ballons, dreht sie dem Publikum den Rücken zu. Ihr Blick ist gesenkt.

Leo Devlin
Fortifying No. 7

Im Raum stehen ein Stuhl und ein Tisch. Auf dem Tisch ist eine Vorrichtung, auf der ein ausgestopftes Eichhörnchen montiert ist. Es dreht sich. Leo Devlin steht mit dem Rücken zum Publikum zwischen den beiden Fenstern. In der Hand hält er einen kleinen Zweig und tastet damit die Wand ab. Er geht zu Boden und wälzt sich in einer Art Krabbelbewegung quer durch den Raum hin zum Tisch. Er steckt den Zweig in eine Bodenritze, steht auf, zieht sich sein Shirt aus und setzt sich auf den Stuhl. Der Performancekünstler beginnt sich mit einer Schreibfeder in die linke Brust zu ritzen bis er blutet. Dann legt er die Feder auf den Tisch, zieht sich ein neues Shirt an, steht auf und geht.

Hugh O'Donnell
Absence

Hugh O'Donnell sitzt barfuß auf einem Stuhl und streicht mit den Händen an der Innenseite seiner Oberschenkel entlang. Ein zweiter Stuhl steht ihm gegenüber. Auf dessen Rückenlehne hängt eine Jacke. Er setzt sich auf den zweiten Stuhl. Hebt den rechten Arm, steckt sich die linke Hand in den Mund und bringt sich damit beinahe zum Erbrechen. Er wechselt die Stühle mehrmals und wiederholt dabei sein Ritual. O'Donnell zieht die Jacke an. Er schiebt und zieht die zwei Stühle durch den Raum und versucht sie neu zu platzieren. Er fasst in die rechte Jackentasche und holt daraus ein Schweineherz hervor. Der Performancekünstler nimmt es in die linke Hand, steckt sich die rechte Hand in den Mund und versucht, zu erbrechen. Danach steht er auf, legt das Herz auf einen der beiden Stühle, rückt den zweiten dazu und verlässt den Raum.

Sara Lucas Agutoli
Sara Lucas Agutoli sitzt auf einem Stuhl bei Tisch, darauf ist ein Teller mit Mehl. Sie steht auf und beginnt, sich auszuziehen. Sie legt ihre abgelegte Kleidung sorgfältig zusammen und steigt über den Stuhl auf den Tisch. Die Performancekünstlerin nimmt den Teller mit Mehl und kippt sich dieses über den Kopf. Anschließend reibt sie ihren Körper mit Mehl ein. Agutoli nimmt den Teller wie einen Diskus in die rechte Hand und posiert als der Diskuswerfer. Sie hält die Pose. Nach Minuten beginnt der rechte Arm nach unten zu sinken. Sie stellt den Teller ab, steigt vom Tisch, zieht ihre Bluse an, nimmt die restliche Kleidung und geht.
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PERFORMANCELABORATORIUM 06
Freitag, 1. Februar 2013

W. Andreas Scherlofsky
Partitur

Andreas Scherlofsky geht zunächst mit Regenschirm, Geigenkasten und einer Plastiksack vor dem Fenster des bb15's auf und ab. Dann robbt er vom Eingang in den Hauptraum, dort bleibt er, intensiv atmend, auf dem Rücken liegen. Er steht auf, richtet seinen Blick zum Plafond und hüpft. Er öffnet den Geigenkasten, nimmt Blumen heraus und stellt sie auf den Boden. Scherlofsky rollt eine Wäscheleine ab, setzt sich und beginnt in einem mitgebrachten Buch zu blättern. Er legt sich hin und umwickelt seinen Körper mit der Wäscheleine. Der Performance-Künstler befestigt ein Ende an einem der Fenster zur Strassenseite des bb15's, wickelt die Leine wieder von sich ab und klettert durch das Zwischenfenster in den zweiten Raum. Dort macht er das lose Ende der Leine an der Tür zum Innenhof fest. Er kehrt zurück in den Hauptraum, legt sich neben einer Lampe zu Boden, blättert weiter im Buch und reisst Seiten heraus, zerknüllt sie oder hängt sie an die Wäscheleine. Nun sucht Scherlofsky einen Ton auf einer Mundharmonika und stimmt eine Geige dazu. Er spielt vom Blatt, zeichnet mit einem roten Filzstift in einige Blätter, verändert die Reihung der gehängten Blätter und spielt die Rückseite der Blätter. Er durchschneidet die Leine und verlässt den Raum, während er weiter auf seinen Instrumenten spielt.

Zuszsanna Balla
Beleuchtet

Am Boden sind zwei Tischlampen aufgebaut. Zusazsanna Balla betritt den Raum. Sie blickt vorsichtig in das Licht einer der Lampen und geht zu Boden. Sie hält ihre offenen Handflächen gegen die Lampe als versuche sie die Wärme des Lichtes zu erfühlen. Sie greift in den Lampenschirm auf die Glühbirne. Sie blickt und horcht in die Lampe. Die Performance-Künstlerin versucht den Lichtstrahl mit ihrem Körper abzudecken. Die Lampe fällt um, dabei zerbrechen Lampenschirm und Glühbirne. Zusuanna Balla schaltet die zweite Lampe aus und geht.

Monica Klingler
Monica Klingler geht barfuß. Ihr Blick ist auf den Boden gerichtet. Sie hebt langsam ihren rechten Fuß vom Boden ab. Ihre rechte Hand steckt in der Hosentasche, während sie sich mit ihrer linken Hand an den Kopf fasst. Sie stellt den Fuß zu Boden und hebt ihre Zehen ab. Sie verdreht ihren Oberkörper Richtung Publikum, legt ihre rechte Hand in den Rücken und dreht ihren Oberkörper wieder zurück. Sie beugt sich nach vor, hebt ihren Fuß an, setzt ihn wieder ab und stellt sich auf ihre Zehenspitzen. Sie atmet aus, wackelt mit ihren Fingern und versucht zu zittern. Sie reckt ihre Arme schräg nach oben, lässt sie wieder nach unten sinken und beendet damit ihre Performance.

Gisela Hochuli
Gisela Hochuli legt sich zunächst zu, auf dem Boden liegenden, langen, getrockneten Ziergras. Sie geht in die Hocke, betrachtet das Gras, riecht daran und streicht über die Stängel. Hochuli liegt auf dem Rücken, bedeckt sich mit dem Ziergras und schiebt sich durch den Raum. Die Performance-Künstlerin nimmt die Stängel zwischen ihre Zähne und setzt sich auf einen Mauervorsprung. Sie beginnt sich ruckartig zu bewegen und rollt zu Boden. Dabei verliert sie die Stängel. Zwei davon hebt sie vorsichtig an, wackelt damit, beobachtet deren Spitzen, reckt sich damit zu den Neonröhren an der Decke und betrachtet die Schatten an der Wand. Sie wischt mit ihnen über das Fenster, lässt die zwei Stängel fallen und hebt die anderen auf. Hochuli hält diese in ihren Armen und wiegt sie leicht hin und her. Sie fegt damit über den Boden und versucht sie auf ihrem Rücken zu balancieren. Schließlich steckt sie sich die Stangen einzeln in die Haare, wackelt mit dem Kopf, schließt die Augen, faltet ihre Hände, verbeugt sich und setzt sich an den Rand ins Publikum.

Theresa Luise Gindlstrasser
Die Dantonade

Theresa Luise Gindlstrasser steckt eine Lampe und ein Radio an. Es erklingt die La Marseillaise. Sie bringt einen roten Stuhl, ein Buch, eine Flasche Rotwein und ein Glas. Sie klebt eine Rolle Papier an die Wand und stellt das Radio aus. Sie gießt sich Wein ins Glas und trinkt es aus. Gindlstrasser liest laut, schnell und rhythmisch Textpassagen aus Dantons Tod von Georg Büchner vor. Sie holt einen roten Lippenstift aus ihrem Oberteil, steht auf und schreibt damit „REVULOTIONS TRIBUNAL“ auf das ausgerollte Papier an der Wand. Danach bemalt sie ihre Lippen, küsst das Plakat und hinterlässt dabei einen Lippenabdruck. Sie gießt sich ein weiteres Glas Wein ein und trinkt es aus. Gindlstrasser liest eigenen Text von Karten ab und wirft jede gelesene Karte mit einer gleichgültigen Geste zu Boden. Sie schaltet das Radio wieder an, setzt sich, gießt sich erneut Wein ein, trinkt und verschüttet den Rest des Glases. Die Performerin steckt das Radio aus, bedankt sich und geht.

Florian Hackl (Video)
XVTW-1 (Edition Winter)

Vor dem TV-Gerät steht ein Schaltpult. Es bietet den Besucher_innen die Möglichkeit aus 16 Kanälen Videos auszuwählen, separat anzusteuern und in einer seriellen Anordnung auf dem Bildschirm zu bringen. Die einzelnen Videos zeigen Florian Hackl dabei, wie er einzelne Buchstaben des Alphabets im und in den Schnee performed. Das Publikum hat die Möglichkeit die Videos selbstständig anzuordnen und - nachdem jedes einzelne Video einen Buchstaben des Alphabets zeigt, - als eine Art Schreibwerkzeug zu benützen.
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PERFORMANCELABORATORIUM HONG KONG
Freitag, 7. Oktober 2011

Yuen Kin Leung
Mirrow Face Maru (Circle)

Bereits vor Beginn der ersten Performance steht Yuen Kin Leung in seinen Unterhosen neben dem Waschbecken im Toilettenraum des bb15's. Der Performance-Künstler trägt einen runden Spiegel vor seinem Gesicht und hält in den Händen Seife und Papierhandtücher. Besucher_innen stellt dies vor die Wahl, die Toilette zu nützen während Yuen Kin Leung darin seine Performance abhält, oder abzuwarten. Er beendet seine Performance nach etwas über einer Stunde.

Chan Mei Tung
Chan Mei Tung klebt mit dünnen Gaffa-Streifen ein Pin up-Bild an die Außenwand des bb15's Sie umwickelt ihre Beine mit Gaffa-Band , beschmiert ihren Oberkörper mit weißer Paste und beginnt sich auszuziehen. Dabei steigt sie von Außen in den Fensterkasten eines der Doppelfenster des bb15's. Sie taped sich weiter Beine und Oberkörper, reibt sich dabei mit der weißen Paste ein und isst von der Paste. Zum Abschluss stülpt sich Chan Mei Tung einen Plastiksack über ihren Kopf, kriecht am Asphalt Richtung Eingang, steht auf und geht.

Leung Wai Man
Bibel in Black

Leung Wai Man kniet vor einem Tisch und bereitet eine Decke darüber, legt ein Stück gebrochenes Stück Mauerziegel und ein Buch mit dem Titel: The Holy Bibel darauf. Sie schlägt das Buch auf, blättert darin und macht es wieder zu. Dann stellt sie ein Glas mit weißer Flüssigkeit auf den Tisch. Die Performance-Künstlerin streut Sand auf die Bibel und verreibt ihn mit einem Stück Holz. Anschließend legt sie ihre Zunge darauf und gießt die zähe, weiße Flüssigkeit darüber. Sie zieht sich ihre Hose nach unten, reißt sich Schamhaare aus und legt diese auf ihre Zunge. Leung Wai Man zündet Teelichter an und tropft das rote Wachs auf ihre Zunge. Zum Abschluss streut sie sich Goldstaub über ihren Kopf. Die Performance-Künstlerin zieht ihre Hose aus und robbt durchs Publikum aus dem Raum.

Ger Choi Tsz Kwan
Freedom Fighter Number 2

Ger Choi Tsz Kwan liest ein Gedicht und zerschlägt Kohle mit einem Hammer. Dann beschreibt sie damit die Wand. Auf einem Stein steht eine Schale mit Milch. Die Performance_Künstlerin spricht in Richtung einer schräg an die Wand gelehnten Holzlatte. Sie zerschlägt Kohle mit einem Hammer und einem Nagel. Sie schlägt von oben nach unten Nagel um Nagel in die Latte. Dazwischen wiederholt sie stets die selbe Phrase: 'Der Tot ist unsere Verpflichtung.', bis sie am Boden sitzt. Auf der Milch schwimmt Kohlenstaub. Sie trinkt aus der Schale mit Milch.

Mok Chiu Yu
Let's drink tea, sing about Jasmine and talk absurdities.

Mok Chiu Yu bringt zwei Sockel in den Raum und stellt sich mit den Worten: 'I'm just a foolish old man, who tries to move two boxes.' vor, und meint weiter, 'Let's drink tea and talk.' Er bereitet Tee zu und erläutert was er tut. Zwei weitere Performer helfen ihm den zubereiteten Tee in kleinen Schalen ans Publikum zu verteilen. Alle trinken Tee. Danach verteilt der Performance-Künstler getrocknete Jasmine Blüten mit den Worten 'Subversive Flower Jasmine - Jasmine Flower - Peoples Power - Nuclear Power' ans Publikum.

Au Yueng Thung
You Enter My House. I Enter Your House.

Au Yueng Thung steht mit einem Glas, in dem sich eine Spinne befindet, am Gehsteig außen vor dem bb15 und klopft an die Scheibe. Er kommt durch das Fenster in den Raum. Der Performance-Künstler legt Matten und ein Seil auf dem Fußboden aus. Danach klettert er durch das Mittelfenster, welches die beiden Räume des bb15's trennt. Er baut mit Zwirn und Gaffa-Band ein Spinnennetz.
Während er daran arbeitet beginnt Performance Nr. 7.
Als sein Netz fertig ist, setzt Au Yueng Thung die mitgebrachte Spinne darauf. Er bittet nun das Publikum mit dem Seil am Boden ein festes Netz zu spannen. Au Yueng Thung klettert durch das Netz im Fenster und springt auf das von den Gästen gehaltene Seil.

Sammu Chan
Confronting Great

Der Performance-Künstler entrollt drei weiße Papierbahnen am Boden. Er holt einen toten Fisch hervor und wickelt mit Gaffa-Band einen Stein auf die Innenfläche seiner Hand. Damit schlägt er einen Nagel durch den Fisch in den Boden. Er umwickelt den Nagel mit Draht. Amel Andessner bringt ihm eine Pfanne mit heißem Sand. Sammu Chan holt einen Löffel aus seiner Hosentasche und streut damit den Sand auf das ausgerollte Thermopapier. Nun spannt er den Draht quer durch den Raum und nimmt das lose Ende in den Mund. Der Performance Künstler dreht sich mit dem Draht ein. Dann nimmt er einen Tiegel mit Spiritus, bespritzt das Papier am Boden und zerknüllt es. Nun wickelt er sich die Drahtschlingen vom Kopf, breitet das Papier wieder aus und verstreut den restlichen Sand aus der Pfanne auf dem Papier.

Vinci Mok
Who Will Be Next

Die Performance-Künstlerin betritt den Raum. Sie ist am ganzen Körper silbern bemalt und hat einen Zweig in ihrem Mund. Sie taucht diesen Zweig in rote Farbe und malt sich damit einen Streifen über Gesicht, Hals und Oberkörper. Danach klettert Vinci Mok auf die Fensterbank. Dort entzündet sie Räucherstäbchen und steckt diese in die Mundöffnung einer Babypuppe. Anschließend hält sie die Puppe zwischen ihren Oberschenkeln fest und versucht sie nach oben zu schieben. Sie nimmt die Puppe in ihren Mund und umwickelt ihren eigenen Körper mit Klebestreifen. Anschließend legt sie sich auf den Rücken und schiebt sich rücklings durch den Raum, dreht sich auf den Bauch, nimmt das Papier von Performance Nr.7 und knüllt es zusammen mit der Puppe und den Räucherstäbchen. Vinci Mok steht auf, summt vor sich hin und verlässt den Raum.
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RUNDUM DAS FELD, AM WASSER
9. + 10. September 2011

Paul Hurley
Paul Hurley veranstaltet ein Schamanen-Ritual für Platz und Festival mit einer Serie von Aktionen und Interaktionen.
Er betritt den Tennisplatz in Unterwäsche und pfeift auf einer Trillerpfeife. Der Performer nimmt Blumen aus einem Eimer am Boden und schüttet sich das Wasser aus diesem über seinen Kopf. Er schlüpft in Stöckelschuhe und zieht sich den Eimer über seinen Kopf. Anschließend rasselt er auf einer Schamanen-Rassel. Er nimmt den Eimer wieder ab. Hurley kniet sich zu Boden und zerschlägt Eier auf seinem Kopf. Er streut Glitter über sich und den Platz. Danach öffnet er eine Schachtel mit Donuts, die er dem Publikum an bietet. Er zieht die Stöckelschuhe aus und bindet Schellen oberhalb der Knie um seine Beine. Danach nimmt er einen Holzstab, Blumen und eine Trillerpfeife und zeiht sich den Eimer wieder über den Kopf. Der Performer schreitet den Platz mit ausgestreckten Armen ab. Er setzt den Eimer ab und verteilt Blumen im Publikum. Dann nimmt er einen Stock in den Nacken auf die Schultern und behängt diesen mit Bananen. Hurley schreitet den Platz langsam ab. Dann bittet er sein Publikum auf die Mitte des Platzes und umwickelt es mit grünem Faden.

Evamaria Schaller
Schnitzel-Zeit

Bei Evamaria Schallers Performance steht Fleisch im Mittelpunkt. Wie wird es behandelt, und wer behandelt es?
Die Performance-Künstlerin bereitet einen Tisch vor. Sie packt Fleisch aus und schneidet es in Stücke. Schaller beginnt das geschnittene Fleisch zu klopfen. Sie wird im Verlauf ihrer Tätigkeit immer intensiver. Zum Schluss hängt Schaller das geschnittene und geklopfte Fleisch, auf eine zwischen zwei Bäumen gespannte Wäscheleine, zum Trocknen auf.

Denis Romanovski
No fish here

Denis Romanski steht in einem großen mit Wasser gefüllten Beutel am Damm zu einem Seitenarm der Donau. Er wartet auf sein Publikum. In seinen Händen hält er einen weiteren, kleineren Beutel, der ebenfalls mit Wasser gefüllt ist. Darin befinden sich zwei lebende Fische. Er legt sich zu Boden und rollt sich dort hin und her. Dabei versucht er seine Beine aus dem großen Beutel zu befreien. Als dieser reisst, rutscht Romanovski den Damm entlang Richtung Wasser. Dort nimmt er den Beutel mit den Fischen, sticht diesen auf und entlässt die Fische in die Donau. Anschließend steigt er selbst ins Wasser und schwimmt weg.

Michelle Browne
Soild

Auf dem Platz liegt eine lange Linie Humus. An deren Enden stehen rote High-Heels und eine Schale mit Milch. Michele Browne trägt ein weißes Kleid und schlüpft in die roten Schuhe. Sie hebt ihre Linke Hand, und hält sich damit ihren Kopf. Dann geht sie langsam zu Boden, bis sie auf ihre Knie fällt. Nun lässt sie ihren Kopf in den Humus sinken. Sie beginnt sich langsam durch die Erde zu schieben. Am Ende der Humus Linie taucht Browne ihr Gesicht solange in die Schüssel mit Milch bis sie, nach Luft schnappend, auftauchen muss. Die Performance-Künstlerin steht auf und stellt sich mit den Schuhen in die Milchschale. Dort lässt sie die Schuhe zurück und verlässt das Feld.

Santiago Lopez und Alvaro Terrones
Artistas detergentes y jóvenes frambuesas

Santiago Lopez und Alvaro Terrones zeigen in einer Form der Parodie eine Performance über Performance. Sie stellen dabei unterschiedliche Arten der Performance-Tradition vor.
Zu sehen ist ein Schild mit der Aufschrift: „The World Ends In 5:00 Min.“ Lopez und Terrones stehen nebeneinander. Sie blicken auf die Uhren an ihren Handgelenken. Danach halten sie ein Schild auf dem: „In The Meantime Performance Action Art“ steht, hoch.
Im Anschluss daran zeigen sie zwölf kurze und humorvolle Performances, die wiederum jeweils zuvor mit einem Schild eingeführt werden. Es sind: 'Installation Performance', 'Fusion Performance', 'Resistance Performance', 'Conceptional Performance', 'Theatrical Performance', 'Aktivist Performance', 'Repitition Performance', 'Sound Performance', 'Spanish Performance', 'Humorus Performance', 'Hardcore Performance', 'Happenings Performance'.

Dominik Jalowinski
Auf der Eleonore stehen drei Müllsäcke mit Luftballons. Die Ballons beginnen sich von den Säcken zu lösen. Dominik Jalowinski, Amel und Elisa Andessner (beide haben sich bereiterklärt Jalowinski bei seiner Performance zu unterstützen) steigen aus den Säcken. Jede/r von ihnen trägt ein blaues Kleid, rosa Leggins und rote Ballerinas. Jawolinski wäscht und rasiert sein Gesicht, während Amel und Elisa Andessner immer wieder den selben Klatschreim aufsagen: „Omas-Lutschbonbon-Pfefferminz-1A-alle-alle-die-gaffen-sagen-psst-da-da“. Dann wechseln sie die Positionen: Elisa Andessner schminkt sich, während Dominic Jawolinski und Amel Andessner den Klatschreim weiterspielen. Bei einem erneuten Wechsel schminkt Amel Andessner ihr Gesicht, und die beiden anderen klatschen den Reim. Zuletzt schminkt sich auch Dominic Jawolinski. Danach gehen alle drei von Board des Schiffes. Sie fordern nun das Publikum auf sich an den Händen zu nehmen und ihnen auf den Tennisplatz zu folgen, sich weiters zu einem Kreis zu formieren und einen Tanz, mit folgendem Text: „I-wanna-wanna-be-in-beetween-twins“ einzustudieren.
Nach einigen Durchgängen verlässt Dominic Jawolinski mit den Worten „I don't wanna, wanna be in between twins' den Kreis.

Gwendoline Robin
Territoroire

Gwendoline Robin geht mit zwei langen Glasrohren um den Platz. Sie legt einen der beiden Rohre zu Boden und zieht den zweiten hinter sich her. Sie beginnt sich im Kreis zu drehen und hält das Rohr dabei mit beiden Armen vom Körper gestreckt. Nun benützt Robin das Rohr wie ein Fernrohr und sieht durch es hindurch. Sie sucht nach einer Verbindung zwischen Himmel und Erde. Sie steckt ein Pendel mit einer Schnur durch das Rohr und klebt das Ende fest. Dann zündet sie die Schnur/Lunte an. Robin sieht wieder durch das Glas, dieses schwärzt sich zu Sehens. Die Performance-Künstlerin setzt sich eine weiße Skimütze und eine Schutzbrille auf. Sie nimmt das zweite Glasrohr und geht damit zu einem angeschütteten Erdhaufen am Platz. Sie zündet eine Lunte an. Diese führt zum Erdhaufen. Robin geht mit dem Glasrohr in der Hand um den Erdhaufen. Das Rohr schleift dabei auf dem Boden. Es zerbricht. Sie bückt sich und schleift es weiter im Kreis. Der Erdhaufen explodiert. Es raucht. Die Performance-Künstlerin liegt am Boden. Sie steht auf, zerdrückt etwas Erde zwischen ihren Fingern und verabschiedet sich von ihrem Publikum.

A+A Bier (Adina und Arielle Bier)
It's Personal...

Das Publikum wird mit HelferInnen in die Mitte des Feldes getrieben. A+A Bier kommen in einem goldenen spezial Anzug. Der Anzug ist zusammengenäht, sodass beide miteinander verbunden sind. Das Publikum wird aufgefordert rhythmisch zu klatschen. Die Performance-Künstlerinnen gehen durch das Publikum und blicken dabei jedem/r in die Augen. Sie reißen einen Sack mit zwei, ebenfalls miteinander verbundenen Dummies, auf. Sie schneiden diese auseinander. Dann reichen A+A Bier, mit den Messern zwischen ihren Zähnen, die Dummies durchs Publikum. Adina und Arielle Bier versuchen nun ihre Dummies mit schwarzem Textmarker anzumalen. Es ist allerdings schwierig, weil sie gemeinsamen in einem Anzug stecken und sich immer gegenseitig weg zerren. Das Publikum wird nun wieder aufgefordert zu klatschen. Die Performance-Künstlerinnen stechen solange auf ihre weißen Dummies ein, bis aus diesen schwarze Farbe läuft. Das Publikum muss weiter klatschen. A+A Bier verlassen den Platz und lassen ihre zerstörten Dummies zurück.
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PERFORMANCELABORATORIUM 03
Freitag, 6. Mai 2011

Stefan Blumenschein
Hyperbulie.

Stefan Blumenschein bezieht sich mit Titel und Performance auf die Videoperformance von VALIE EXPORT aus dem Jahr 1973. Im Hauptraum des bb15’s stehen ein fragiler Drahtkäfig, eine Autobatterie und eine Krone. Blumenschein ist nackt, als er den Raum betritt. Er schließt über zwei Drähte den Käfig an die Batterie und begibt sich in den Käfig. Vorsichtig berührt er immer wieder die Drähte mit Wange, Lippe und Schulter. Zum Abschluss setzt Blumenschein sich die Krone auf und verabschiedet sich mit den Worten: „Auch der König muss sich seiner Krone würdig erweisen.“ Der Käfig bleibt. Einige der Besucher_innen berühren die Drähte und stellen fest, dass diese nicht unter Strom stehen.

Renée Stieger
Simultanarchiv

Renée Stieger erscheint in elegantem Buisness Kostüm und Pumps zu ihrer Performance. Im Raum befinden sich ein Tisch, eine Lampe, ein Buch, ein Glas mit Wasser und ein Stuhl. Sie setzte sich und blättert zur ersten leeren Seite des Buches. Dann beginnt sie laut mitsprechend zu protokollieren. Stieger hält penibel alle Reaktionen und Geräusche ihres Publikums fest und betreibt damit ein perfides Spiel mit Macht und Kontrolle. Sie schließt nach etwa einer halben Stunde ihr Buch mit den Worten: „Vielmehr wird nicht mehr passieren. Danke!“ und verlässt die Szene.

Enric Fort
Eggs and Hugs

Auf dem Boden des bb15’s ist ein weißes Tuch aufgebreitet. Darauf liegen ca. 130 Hühnereier. Enric Fort tritt weiß gekleidet und mit zwei langen Leukoplast Streifen an den Unterarmen vor sein Publikum. Er hebt eines der Eier auf und lässt es im Publikum herumreichen. Währenddessen beginnt er Ei für Ei sehr vorsichtig von oben in sein Unterhemd zu legen. Als er nach mehreren Minuten alle Eier vom Boden am Körper trägt, fordert er das letzte Ei. Nun beginnt er sich die Leukoplaststreifen ab zu ziehen. Auf seinen Unterarmen ist in großen Lettern „HUG“ und „ME“ zu lesen. Einige aus dem Publikum folgen seiner Aufforderung und umarmen ihn. Enric Fort bedankt sich und verlässt den Raum.

Stefanie Polek
Lecture Act/Timemanagment

Stefanie Polek kommt in den Hauptraum des bb15’s. In diesem befinden sich eine auf dem Boden ausgebreitete Decke, ein Tisch, darauf eine Tasse mit einem Teebeutel, ein Apfel und ein Stück Gebäck, ein Stuhl und ein Wasserkocher. Polek beginnt sich hastig ihre Alltagskleidung aus und einen Pyjama anzuziehen, legt sich auf die Decke am Boden, wie in ein Bett und stellt den Wecker ihres Mobiltelefons. Sie schläft. Nach acht Minuten klingelt der Wecker und ein hektischer Tagesablauf beginnt. Lecture Act /Timemanagment ist ein Versuch, der die 24 Std. eines Tages auf 24 Min. komprimiert. Dabei spielt Polek mit der selbst auferlegten, permanenten Überforderung und der Möglichkeit daran zu scheitern.

Tiina Sööt und Dario Wokurka
10 different jumps

Tiina Sööt und Dario Wokurka tragen eine Bank in den Raum. Sie schütteln sich die Hände und stellen sich gemeinsam auf die Bank. Dario sagt: Jump number one: Improvise-with-arms-jump; Beide springen von der Bank. Tiina sagt: Jump number two: Slowmotion-jump; Beide springen von der Bank. Auf diese Weise absolvieren sie zehn Sprünge. Die Anordnung ist zu gleich strikt wie spielerisch und lässt ihnen keine Zeit um zu zögern. 10 different jumps demonstriert den Interpretationsspielraum ein und derselben Idee, und bildet den Gap zwischen der Person, die den Sprung ansagt und der anderen Person, die diesen spontan mit auszuführen hat, mit ab.

Wathiq Al Ameri und Ali Al Fatlawi
o.T.

Wathiq Al Ameri und Ali Al Fatlawi nutzen bei ihrer Performance im Hauptraum des bb15’s die weiße Fläche auf der ansonsten schwarzen Wand der rechten Seite als Art Leinwand, vor der sie Bilder produzieren. Sie arbeiten dabei mit kurz davor erstandenen Materialien, wie Plastikfische, einen Spielzeugglobus, rote Rosen, weißer und schwarzer Farbe, weiße Murmeln und einen weißen Sockel. Raum, Material und Zeit sind wesentliche Elemente ihrer Arbeit. Ihr Interesse gilt dem Versuch, sowie dem gemeinsam Agieren und Reagieren. Ohne die Details ihrer Performance im Vorfeld genau ausgearbeitet zu haben, lassen sie Spielraum für sich und Publikum.

Freundinnen der Kunst
himmeln (Video)

Im Video himmeln (Teil 2 der Trilogie Sehnsucht) springen die Freundinnen der Kunst in Brautkleidern auf einem Trampolin. Dabei gibt es einen von der Kamera festgelegten Bildausschnitt, in welchem möglichst alle vier zur gleichen Zeit erscheinen sollten. Himmeln zeigt sie nicht nur beim Versuch exakt in diesen Rahmen zu springen, sondern ist auch Beleg für das wiederholte Scheitern dieses Vorhabens.
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PERFORMANCELABORATORIUM 02
Freitag, 3. Dezember 2010

Roland Wegerer
Im ersten Raum des BB15’s lässt sich Roland Wegerer in einem Video dabei beobachten, wie er sich gegen eine Scheibe drückt und reibt. Durch das Auf- und Abfahren des Bildschirms verzerrt sein Gesicht völlig, und die Scheibe verschmutzt Zusehens. Das aufgenommene Material ist einmal original und einmal rückwärts abgespielt und in der Folge geloopt.

Catharina Bamberger
Als die ersten Besucher_innen das BB15 betreten, hat Catharina Bamberger ihre Performance bereits begonnen. Sie kniet vor einem Stuhl und stützt sich dabei mit ihren Händen auf den Boden. In ihrer Performance, bei welcher sie Anfang und Ende unscheinbar setzt, leckt sie die Sitzfläche des Stuhls immer wieder sorgfältig ab.

Johanna Goldgruber
Johanna Goldgruber positioniert sich in Front ihres Publikums und fängt an sich langsam ihrer Kleidung zu entledigen, und diese Innen/Außen gewendet vor ihr auf den Boden zu legen. Danach beginnt sie die Kleidungsstücke umgestülpt und in gedrehter Reihenfolge wieder anzuziehen. Den Großteil des weitern Performance Abend verbringt sie mit dem nach außen gestülpten Inneren im Publikum.

ekw 14,90
Die Gruppe ekw 14,90 stellt eine kontextuelle Verbindung zwischen der Abwesenheit von Inhalt und einer leeren Wand her. Über eine Skypeverbindung ist das vierte Mitglied der Gruppe aus Zürich live zugeschaltet und trägt einen Text mit loser Verbindung zum Thema vor. Währendessen präparieren die drei Anwesenden Mitglieder_innen des Teams einen überdimensionalen Stempel mit schwarzer Farbe. Anschließend laufen sie damit gegen die Wand des BB15. Zurück bleiben eine gestempelte schwarze Windmühle an der Wand und der Stempel.

Bruce pain
Bruce pain betritt als Batman verkleidet den Raum. Auf einem Tisch befindet sich ein Paket adressiert an Batman. Dieser scheint zu nächst verwundert, öffnet es aber schließlich doch. Darin befindet sich eine Banane, der Performer isst diese auf, und legt danach die leere Schale der Frucht behutsam auf den weißen, quadratischen Decken der Schachtel.
Wilhelm Simon | Bruce pain
Die Performance von Bruce pain geht über in eine lockere Versuchsanordnung mit Simon Wilhelm. Wilhelm erteilt dabei mit den einleitenden Worten: ‚Simon sagt’ Bruce pain Anweisungen, die dieser auszuführen versucht.

Saralucas
Agutoli bringt drei Spiegel an die Wand des BB15 an, und stellt pro Spiegel einen Stuhl davor. Anschließend hängt sie eine Wrestling Maske, einen Cowboyhut plus Schnurbart und eine Piraten Augenklappe vor diese. Sie setzt sich auf den ersten der drei Stühle, bindet sich die Augenklappe um, und betrachtet sich im Spiegel.
Die Installation bleibt und die Besucher_innen sind angewiesen sich im Verlauf des Abends ebenfalls einen der Plätze zu wählen, und sich beim Betrachten im Spiegel in einer Geschichte als jemand anderen vorzustellen.

No budget
In Stockholm findet an demselben Tag ebenfalls eine Performanceveranstaltung statt. Wir verlinken uns mit dem Projekt No Budget Performance – die Besucher_innen der jeweiligen Veranstaltungen haben die Möglichkeit, miteinander via Skype zu kommunizieren